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Der Zeckenbiss und seine möglichen Folgen

Mit den ersten warmen Tagen im Frühjahr beginnt in vielen Regionen Deutschlands eine unterschätzte Gefahr, die bis in den Spätherbst hinein andauert: Gemeint sind die Bisse der an Gräsern und im Unterholz anhaftenden weiblichen Zecken, welche bei einem Spaziergang unbemerkt abgestreift werden, mit ihren Beißwerkzeugen unter Einsatz eines lokalen Betäubungsmittels ein Loch in die Haut des ahnungslosen Opfers bohren und sich so Zugang zu seinem Blut verschaffen.

Leider ist es mit dem Blutsaugen allein nicht immer getan: Zeckenbisse verlaufen zwar zum Glück meist harmlos, unter Umständen aber können die Blutsauger dabei auch schwere, in seltenen Fällen gar bis hin zum Tod führende Krankheiten hervorrufen. Das Tückische dabei: Auftretende Krankheitssymptome werden aufgrund der zeitlichen Verzögerung und der vom unkundigen Betroffenen nicht eindeutig zuzuordnenden Beschwerden häufig nicht mit dem Zeckenbiss in Verbindung gebracht. Insgesamt rund ein Dutzend verschiedene Krankheiten werden so in unseren Breiten von Zecken übertragen. Zwei davon können besonders gravierende Folgen nach sich ziehen: die Borreliose und die Frühsommer-Enzephalitis (FSME).

Borreliose: Frühzeitige Erkennung ist das A und O
Die Borreliose ist eine bakterielle Erkrankung. Sie wird von einem Erreger hervorgerufen, den zwar etwa 20 Prozent aller Zecken in sich tragen, der aber in der Regel erst am Ende des Saugaktes von der Zecke in die Wunde abgegeben wird, weswegen bei rechtzeitiger und vor allem richtiger Entfernung der Zecken eine Infektion mit hoher Wahrscheinlichkeit vermieden werden kann. Sollte es aber doch einmal zu einer Ansteckung mit Borrelien gekommen sein, ist schnelles Handeln gefragt. Wird die Krankheit frühzeitig erkannt, ist mit modernen Medikamenten (Antibiotika) in nahezu allen Fällen eine vollständige Ausheilung zu erreichen. Gefürchtet sind jedoch die Spätfolgen einer zu spät oder nicht behandelten Borreliose: Dann können Haut, Gelenke, Muskeln, Nervensystem und Herz irreparabel geschädigt werden und chronische Erkrankungen hervorrufen, die in schweren Fällen den vollständigen Verlust der Berufs- und Arbeitsfähigkeit nach sich ziehen.

Wann immer man eine Zecke entfernt hat, sollte man die Einstichstelle mit einem wasserunlöslichen Permanentmarker einkreisen, um in der darauffolgenden Zeit etwaige Hautveränderungen und sonstige Auffälligkeiten beobachten und dem Zeckenbiss sicher zuordnen zu können. Wenn sich nach einigen Tagen oder Wochen um die Stelle herum eine kleine Hautrötung bildet, welche sich kreisförmig ausbreitet (sog. Wanderröte), sollte man nicht zögern, sofort einen Arzt aufsuchen – selbst dann, wenn noch keine spürbaren Beschwerden aufgetreten sind!
FSME (Frühsommer-Enzephalitis): Wirksamen Schutz bietet nur die Impfung
Im Gegensatz zur Borreliose wird die Frühsommer-Enzephalitis nicht durch Bakterien, sondern durch ein Virus ausgelöst. Dabei ist zwar nur eine von geschätzt ca. 200-500 Zecken Virusträger, aber Vorsicht ist dennoch geboten, weil der Erreger bereits zu Beginn des Saugvorgangs übertragen wird. Ist es zu einer Infektion gekommen, so ist der Verlauf der FSME individuell unterschiedlich: Nur jeder Dritte zeigt überhaupt Krankheitssymptome, die im Regelfall einer schweren Sommergrippe ähneln. Rund 10 Prozent der Betroffenen bilden jedoch die klassischen Anzeichen der Hirnhautentzündung aus, die mit Kopfschmerzen, hohem Fieber, Erbrechen und Muskelverhärtungen besonders im Nacken- und Schulterbereich einhergeht. Bei über der Hälfte der solcherart Erkrankten heilt die Entzündung folgenlos ab, mindestens ein Drittel aber zeigt im weiteren Verlauf das Vollbild der Krankheit, bei der die Entzündung auf das Gehirn, bei 10 Prozent auch auf den Rückenmarksstamm übergreift und bleibende Hirnschäden und/oder Lähmungen hervorrufen kann. Immer noch erkranken einige wenige dieser Patienten so schwer, dass sie selbst durch intensivmedizinische Betreuung nicht vor dem Tod zu bewahren sind.

Eine ursächliche Therapie bei einer bestehenden FSME-Infektion ist nicht bekannt, weshalb es beim Aufenthalt in den Hauptverbreitungsgebieten der mit diesem Virus befallenen Zecken (bei uns sind das insbesondere Baden-Württemberg und Bayern, aber auch Rheinland-Pfalz, Hessen und Thüringen) sinnvoll sein kann, sich vorher einer Impfung zu unterziehen. Sie bietet einen guten Schutz gegen die FSME, wobei eine vollständige Immunisierung etwa einen Monat nach der Impfung zu erwarten ist. Wichtig: Da die Impfung nur vor FSME, nicht jedoch vor Borreliose schützt, müssen entdeckte Zecken nach wie vor mit der gebotenen Sorgfalt entfernt werden!

Vorsicht beim Umgang mit den Plagegeistern: Ablösen nur mit geeigneter Pinzette
Immer noch werden altüberlieferte “Hausmittelchen” zum einfachen Ablösen einer Zecke angewandt: Die Empfehlungen reichen vom Verschmoren des Zeckenleibs mit einem Feuerzeug bis hin zum Einreiben der Zecke mit Öl oder dem Beträufeln mit heißem Wachs. Experten raten von solchen Methoden jedoch ab; im schlimmsten Fall führen sie dazu, dass sich die Zecke im Todeskampf in die Stichwunde “erbricht” und so die Gefahr erhöht, dass Krankheitserreger erst recht ausgeschüttet werden. Kontrovers diskutiert wird als vorbereitende Maßnahme zur Entfernung einzig der Einsatz von Kältespray, welches die Zecke innerhalb von Sekundenbruchteilen vereisen und quasi “handlungsunfähig” machen soll. Generell gilt aus medizinischer Sicht aber: Eine Zecke sollte nur mit einer geeigneten Pinzette an ihren Beißwerkzeugen gefasst und langsam, aber stetig und ohne Abzusetzen unter einer leichten Drehbewegung aus dem Bisskanal herausgezogen werden; dabei ist darauf zu achten, sie nach Möglichkeit nicht zu quetschen oder ihren Leib sonstwie zu beschädigen. So ist die Wahrscheinlichkeit am geringsten, dass Viren oder Bakterien in die Wunde gelangen und eine Infektion auslösen können.

Zeckenalarm: Wann Sie unverzüglich zum Arzt gehen sollten
- wenn sich die Zecke mit einer Pinzette nicht vollständig entfernen ließ
- wenn sich die Haut rund um die Einstichstelle verändert (insbes. Wanderröte)
- wenn für Sie untypische grippeartige Beschwerden mit starken Kopfschmerzen und Muskelverspannungen auftreten
- wenn Sie ohne Impfschutz in einem FSME-Gebiet von einer Zecke gebissen wurden
Verfasser: Arne Wondracek

Aus der Zeitschrift: “Orthopress”

 

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