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Stark im Kommen: Pilzerkrankungen

Was fällt Ihnen beim Stichwort “Pilze” zuerst ein? Pfifferlinge, Champignons, Steinpilze oder gar Trüffeln? Oder denken Sie als Käseliebhaber an Camembert, Roquefort und Gorgonzola, die nur mit Hilfe von Pilzen ihr typisches Aussehen und ihren unverwechselbaren Geschmack entwickeln können, genau wie Brot und Wein, die zu einem guten Käse dazugehören und für deren Herstellung Hefepilze nötig sind? Oder gehören Sie zu dem Drittel der Bevölkerung, das unter einer Pilzinfektion leidet und daher bei “Pilzen” zuerst an juckende, schuppende Hautinfektionen denkt?

Pilze – diese zu den Pflanzen zählenden Lebewesen – kommen in einer unglaublichen Artenvielfalt vor. Man schätzt weltweit an die 300.000 Pilzarten, aber nur wenige von ihnen werden für die menschliche Ernährung genutzt oder produzieren hilfreiche Medikamente, wie z. B. Penicillin. Etwa 50 von ihnen rechnet man zu den so genannten humanpathogenen Arten. Sie können mehr oder weniger unangenehme Infektionen beim Menschen verursachen, so genannte Mykosen. Eingeteilt werden die Erreger in drei große Gruppen: Dermatophyten (Fadenpilze), Hefe- oder Sprosspilze und Schimmelpilze.
Normalerweise beherbergt jeder von uns eine Vielzahl von Pilzen bei sich, ohne dass es in irgendeiner Weise störend bemerkt würde. Pilze ernähren sich zumeist von abgestorbenen Zellen und leben auf Haut und Schleimhäuten, in Mund und Darm oder in der Scheide einträchtig zusammen mit zahlreichen anderen, vorwiegend bakteriellen Mitbewohnern. Erst wenn aus unterschiedlichen Ursachen das feine Zusammenspiel gestört wird oder die körpereigene Abwehr geschwächt ist, können sich die Pilze unkontrolliert vermehren, in Haut und Schleimhaut eindringen und zu den typischen Krankheitserscheinungen führen. Das heißt: Pilze fängt man sich nicht, man hat sie, sie sind ein natürlicher Bestandteil unseres Lebens.

Verschiedene Faktoren begünstigen das Pilzwachstum
Allerdings nehmen Infektionen mit Pilzen in rasantem Tempo zu. Die modernen Ernährungs- und Lebensweisen wie stark zuckerhaltige Nahrung, Bekleidung aus synthetischen Stoffen oder eine zu ausgeprägte Körperhygiene, bei der der natürliche Säureschutzmantel der Haut zerstört wird, schaffen ideale Vermehrungsbedingungen für Pilze, so dass sie sich nicht nur an Haut und Körperöffnungen wie Mund, After und Scheide stark ausbreiten können. Derart sind Turnschuhträger – auf Grund des feuchtwarmen Milieus vor allem in den Zehenzwischenräumen – überdurchschnittlich oft von Fußpilzinfektionen (auch Athletenfuß genannt) betroffen. Bei Menschen, die häufig Antibiotika oder Kortison einnehmen, ist die körpereigene Abwehr vielfach so beeinträchtigt, dass auch bei ihnen sehr häufig Pilze unerwünscht “ins Kraut schießen”. Ebenfalls Risikofaktoren für eine Pilzinfektion sind verschiedene Grunderkrankungen wie z. B. Diabetes, Durchblutungsstörungen oder Immunschwäche. Das ist unstreitig. Aber inwiefern schon der bloße Nachweis von Pilzen im Darm – immerhin bei 50 Prozent der Bevölkerung möglich – für Gedeih- und Befindlichkeits-Störungen verantwortlich gemacht werden kann, darüber gehen die Meinungen allerdings zuweilen deutlich auseinander. Zu einer Infektion gehört auch die entzündliche Reaktion, die erst dann auftritt, wenn die Pilze in das Gewebe eingedrungen sind.
 


So schützen Sie sich vor einer Fußpilzinfektion:

  • Haut trocken halten, insbesondere die Zehenzwischenräume
  • Handtücher nicht gemeinschaftlich benutzten
  • Atmungsaktive Strümpfe und Schuhe tragen und täglich wechseln
  • In öffentlichen Räumen, besonders Schwimmbädern, Saunen oder Hotels, nicht barfuß laufen.
     


Die Diagnostik einer Pilzinfektion wird dadurch erschwert, dass verschiedene Pilze ein ganz ähnliches Krankheitsbild hervorrufen können, anderseits kann sich der gleiche Pilz an verschiedenen Organen ganz unterschiedlich manifestieren. Claude Bernard, französischer Bakteriologe des 19. Jahrhunderts, wird der Spruch zugeschrieben: “Le microbe n´est rien, le terrain c´est tout” – “Der Erreger ist nichts, das Milieu, in dem er lebt, ist alles”, und daran hat sich bis heute nicht geändert.

Pilzinfektionen – auch lokale – sollten immer –behandelt werden
Dass jede Mykose behandelt werden sollte, versteht sich von selber. Die Therapie sollte konsequent, das heißt lange genug – auch nach Abklingen der Symptomatik – durchgeführt werden, damit die hartnäckigen Erreger wirklich aus den tieferen Gewebeschichten entfernt werden. Andernfalls sind Rezidive vorprogrammiert, denn Pilze und insbesondere ihre Vermehrungsform, die Sporen, sind wahre Überlebenskünstler.
Auch wenn uns Pilze und ihre Sporen immer und überall begleiten, brauchen gesunde Menschen keine Angst vor einer unkontrollierten Ausbreitung zu haben. Normalerweise ist unser Abwehrsystem – wenn es nicht durch unsere Lebensweise überfordert wird – durchaus in der Lage, potentielle Eindringlinge in Schach zu halten.
 


Was Sie beachten sollten:

Bei einer unvermeidbaren Antibiotika-Einnahme sollten Sie in der Zeit möglichst auch Naturjoghurt mit rechtsdrehender Milchsäure zu sich nehmen, damit die nützlichen Darmbakterien eine Überlebenschance bekommen und das natürliche Gleichgewicht der Darmflora möglichst nicht völlig zerstört wird.
 


Die häufigsten Pilzinfektionen von Kopf bis Fuß:
Es gibt kaum ein Organ, das nicht von Pilzen befallen werden könnte. Die häufigsten Manifestationen betreffen aber wohl immer noch die Haut. Dringen Fadenpilze (Dermatophyten) in das Gewebe ein, kommt es zu geröteten, oft schuppenden, manchmal nässenden, relativ scharf begrenzten und häufig juckenden Hautveränderungen, die nicht selten durch Kratzeffekte auch bakteriell besiedelt werden mit Bläschen- und Eiterbildung. Oft sind nur einzelne Stellen befallen, wie Kopfhaut (meist mit Haarverlust verbunden), Leisten oder Füße (besonders oft im dritten und vierten Zehenzwischenraum). Bei ausgeprägter Abwehrschwäche können aber auch große zusammenfließende Flächen infiziert sein. Dann bestehen meist auch Schmerzen, Lymphknotenschwellungen und ein deutliches Krankheitsgefühl. Besonders hartnäckig erweist sich oft ein Pilzbefall von Nägeln, der sowohl an Füßen als auch Händen vorkommen kann.

Hefe- oder Sprosspilze, meist Candida-Arten, finden in der Mundhöhle ideale Bedingungen und können schon bei Säuglingen zu Mundsoor führen. Die sich zu weißlichen, schwer abwischbaren Belägen entwickelnden Pilzrasen können mitunter recht schmerzhaft sein und vor allem auch so manchem Prothesenträger das Leben schwer machen. Bei einer ausgeprägten Abwehrschwäche, z. B. AIDS-Kranken oder unter einer aggressiven Chemotherapie, können die Pilze auch in Speiseröhre und Darm herunterwachsen und diese entzündlich verändern. Oder es kann in diesen Fällen zu einem Lungenbefall kommen. Die Schulmedizin geht im Allgemeinen davon aus, dass für einen Befall der inneren Organe eine erheblich reduzierte Abwehrlage Vorraussetzung ist, wohingegen vielfach Heilpraktiker bzw. Alternativmediziner in einem Pilzbefall von z. B. Lunge oder Darm die Ursache für eine allgemeine Schwäche oder unklare, anhaltende Befindlichkeitsstörung sehen und entsprechende Therapien einleiten.

Manchmal bildet der Darm allerdings auch – ohne selber zu erkranken – das Reservoir für Pilze, die hinüberwandern in die benachbarte Scheide und dort zu wiederholten Entzündungen führen, weil das physiologische Milieu, sei es durch Hormoneinnahme, durch übertriebene Hygiene oder aus anderen Ursachen, gestört ist. Allerdings ist nicht jedes Jucken in der Scheide mit einer Pilzinfektion gleichzusetzen. Eine entsprechende Symptomatik sollte also immer abgeklärt und nicht einfach mit einer pilzabtötenden Creme angegangen werden. Im Fall des Falles empfiehlt sich aber in der Regel eine Partnerbehandlung, damit es nicht zu so genannten Pingpong-Infektionen kommt.

Von Sigrid Eberle aus ORTHOpress 3/2004

 

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